Auf dem Weg zu einer klimaschonenden Energieversorgung

Die vier Kommunen des Nordkreises haben in Sachen zukunftssicherer und klimaschonender Energieversorgung einiges an guten Beispielen vorzuweisen. Bei einer Exkursion nach den Osterfeiertagen konnte sich die Landtagsabgeordnete der Grünen, Angela Dorn und weitere  Interessierte hiervon selbst ein Bild machen und von fachkundigen Personen die Anlagen erläutern lassen.

Exkursion zu beispielhaften Energieanlagen im Nordkreis

Am Dienstag nach Ostern besuchte die Landtagsabgeordnete der Grünen Angela Dorn auf Einladung von mir Anlagen einer zukunftssicheren klimaschonenden Energieversorgung in Cölbe, Lahntal, Münchhausen und Wetter. Die vier Kommunen des Nordkreises arbeiten in den Fragen der Energiewende und des Klimaschutzes interkommunal zusammen.
Am Beispiel der besichtigten Anlagen wurden die unterschiedlichen Aspekte auf dem Weg zu 100% erneuerbarer Energie im Landkreis aufgezeigt. Ein besonderer Augenmerk lag hierbei auf versteckte Potenziale, die Wirkung des demographischen Wandels auf die Energieversorgung im ländlichen Raum, die Sanierung kommunaler Liegenschaften und einen ausgewogenen Energiemix und seine intelligente Steuerung gerichtet.

Vorbildliche Nutzung vorhandenen Potenzials

Gleich die erste Station war ein Highlight, da hier in vorbildlicher Weise das vorhandene Potenzial eines Holz verarbeitenden Betrieb von 24.000 Tonnen an Holzabfall pro Jahr, sehr effizient sowohl zur Wärme als auch zur Stromerzeugung verwendet wurde. Das neue Biomasse-ORC-Heizkraftwerk war notwendig geworden, um den gestiegenen Wärmebedarf für die Holztrocknung sicher zu stellen. Die Ortsvorsteherin Carola Carius erkannte mögliche Synergieeffekte, da die Fleckenbühler, die nur 600 Meter entfernt ihr Hofgut betreiben, zur gleichen Zeit überlegen zum Ersatz ihrer in die Jahre gekommen Hackschnitzelheizung zu ersetzen. So sorgt die 7,2 MW Feuerung für die Trocknung, für die Wärmeversorgung sowohl des Unternehmens, als auch über eine Nahwärmeleitung des Hofgut und erzeugt gewissermaßen als Abfall noch Strom. Mit einer Erweiterung des Nahwärmenetzes könnten noch bis zu 300 Einfamilienhäusern in Schönstadt versorgt werden, da noch eine Wärmekapazität von 2 bis 3 Megawatt zur Verfügung stehen.

Ausgelöst durch den Besichtigungswunsch beschlossen die Partner an diesem Tag die offizielle Einweihung der Nahwärmeversorgung vorzunehmen. Das Engagement von Carola Carius wurde von allen Anwesenden besonders hervorgehoben. Landrat Robert Fischbach verwies auf den Besuch einer Delegation in Güssing, wo die Verwirklichung der Energievision des Landkreises einer 100%igen Versorgung mit erneuerbaren Energien zu besichtigen war. Der Cölber Bürgermeister Volker Carle sah diese Anlage als ein wichtiges Beispiel was mit einem Klimaschutzkonzept für die Nordkreiskommunen erreicht werden kann.

Unterschiedliche Wege zur Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern

Die Exkursion führte dann weiter zum Bioenergiedorf Oberrosphe, dann zu einer kommunalen Sanierungsmaßnahme nach Münchhausen und schließlich zur Nahwärmeversorgung eines Neubaugebietes in Sterzhausen. Hierdurch wurden die Unterschiede von einer privatwirtschaftlichen Verwertung von Abfallstoffen gegenüber einer genossenschaftlichen Lösung, wie in Wetter-Oberrosphe oder einer kommunalen, wie in Lahntal-Sterzhausen deutlich. Hans Bertram von der Bioenergiedorf-Genossenschaft demonstrierte den Besuchern die Holzhackschnitzelfeuerung und berichtete von der Herausforderung ein Nahwärmenetz in einem Dorfkern zu erstellen.

In Münchhausen konnten Bürgermeister Peter Funk und der Gemeindebrandinspektor Bernd Berghöfer über die erfolgreiche energetische Sanierung von Bauhof und Feuerwehrgerätehaus berichten. Dort wurde zudem eine sehr flexible Holzfeuerung eingebaut, in der auch der kommunale Gehölschnitt verfeuert werden kann. Hans-Hermann Zacharias von der Waldbesitzergemeinschaft Wollmar informierte zudem über deren konkrete Pläne zur Errichtung von drei Windrädern.

Als letztes Beispiel konnte Herr Thorsten Gerhard die Heizzentrale zu Versorgung eines Neubaugebiets in der Mehrzweckhalle von Sterzhausen vorstellen. Der geringe Wärmebedarf von Neubauten macht ein solches Netz nur in Verbindung mit größeren Liegenschaften, wie etwa kommunalen, wirtschaftlich sinnvoll. Zwei weitere derartige Projekte mit Blockheizkraftwerken sind in Lahntal geplant.

Eine rundum informative Exkursion

Eine Mittagspause im Heimatmuseum Oberrosphe mit Besichtigung, die Vorstellung der Funktion des reaktivierten Rinnensystems der Lahn zwischen Caldern und Sterzhausen durch den Gewässerbauer Dr. Klaus Träbing, Guntram Ohm-Winter vom Regierungspräsidium Gießen und den NaBu-Vorsitzenden Karl Busch rundeten die sehr informative Tour ab. Den Abschluss bildete schließlich ein Besuch der Pflegeeinrichtung des Elisabethvereins Krafts Hof in Sterzhausen, die von Ernst Boltner, dem Geschäftsführer vorgestellt wurde. Auch der neue Generationstreffpunkt in Krafts Hof die eine Woche später eröffnet wird, konnte schon besichtigt werden.

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