Glyphosat ohne Ende – Redner von CDU, SPD und FDP marginalisieren Risiken

Der Kreistag findet in seiner Sitzung vom 30.6.2017 mehrheitlich, es ist genug zur Einschränkung des Glyphosateinsatzes getan.  Im Landkreis wird, gemäß der Sonderregelung des § 17 PfSch-Gesetz genüge getan, indem angeordnet ist, dass Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, vom Einsatz des Breitband-Herbizids ausgenommen sind.

Da im Umweltausschuss angekündigt wurde, dass die GroKo das Thema als erledigt erklären will, hat es mich dich überrascht, dass überhaupt in die inhaltliche Diskussion eingestiegen wurde. Es wunderte mich daher, dass überhaupt in die Diskussion eingestiegen wurde, aber auch, dass von CDU, SPD und FDP versucht wurde, die Risiken zu marginalisieren. Institutionen wie der Deutsche Ärztetag und das UBA, aber auch  Italien, Niederländer und nun auch Kalifornien sehen das anders.

Hier dokumentiere ich meinen Redebeitrag zu diesem Thema.

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Sehr geehrte Damen und Herren, Herr Vorsitzender!

Als ich Anfang der 80er an im Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Gießen Anfang der 80er zum ersten Mal über die fatalen Umweltwirkungen dieses nicht-selektiven Blattherbizid mit systemischer Wirkung namens Glyphosat hörte, das passenderweise unter dem Markennamen „Round up“ erstmals 1974 auf den Markt kam, hätte ich es mir niemals vorstellen können, eine gute Generation später diesen Antrag zu begründen.

Schon damals wurde mit harten Bandagen um den Einsatz dieser gewinnträchtigen Substanz gekämpft. Unabhängige Forscher wurden diskreditiert, statistische Tricks angewandt, die auch aus der Zulassung von Medikamenten bekannt sind. Oder wie gerade vom Dieselskandal – einfach so lange neue Gutachten bestellt, bis eines passt. Unliebsame Studien wurden auch damals mit gefälligen Gegenstudien regelrecht zugeschüttet und dergleichen mehr.

Und heute 3 Jahrzehnte später ist es nicht anders: Monsanto, Bayer & Co. kämpfen mit Tricks um die Wiederzulassung. Der Freibrief der Behörden ist weder für die Öffentlichkeit noch für die Wissenschaft nachzuvollziehen, da er zu wesentlichen Teilen auf geheimen Studien der Hersteller selbst beruht.

Die schiere Masse des Substanzeinsatzes führt selbst bei statistisch gesehen kleinen Wirkungen zu großen Problemen, wie glyphosatresistente Superunkräuter. Zunächst wurde das vergleichsweise kostengünstige Gift genutzt, um vor der neuen Aussaat den Acker von Unkräutern zu befreien. Doch schon in den 90er Jahren wurden gentechnisch veränderte Pflanzen mit Glyphosatresistenz zugelassen, was ermöglichte, es während des gesamten Wachstums der Pflanzen einzusetzen.

Wer sich mit Ursachen von Krebs auskennt, weiß, dass auch dieser eben nur mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auftritt und nicht automatisch jeden trifft, der mit dem Verursacher zu tun hat. Daher lässt sich hier viel statistischer Zauber bewerkstelligen. Doch der Einsatz nach dem Motto „Viel hilft viel“, hat daher auch seinen gesundheitlichen Preis.

Und dies lässt sich bei allen Folgen durchdeklinieren: die Schädigung von Vogelarten und Amphibien u.v.m. Wen es interessiert sind die einschlägigen Seiten des Umweltbundesamtes, von wissenschaftlichen und von Gesundheitsinstituten, sowie von Natur- und Umweltschutzverbänden empfohlen.

Es freute mich natürlich aus dem Umwelt -Ausschuss zu hören, dass ja längst auf kreiseigenen Flächen Glyphosat nicht angewandt wird. Antworten, wie „ach das gibt´s doch gar nicht mehr zu kaufen“ oder die klassische der Landwirte „das Zeug kann man doch saufen“ sind hingegen allenfalls amüsante Plattitüden.

24 glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel für berufliche Anwendungen und 15 für den Haus- und Kleingartenbereich sind zugelassen. (lt dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages 2016). Ja, es  greift seit 2012 auch die Sonderregelung des § 17 PfSchG, dass Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, ausgenommen sind. Rein formal dürfen daher glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel auf den meisten Flächen des Landkreises, vor allem der Schulen, schon lange nicht mehr verwendet werden.

Aber ständig werden von den Herstellern Lücken gesucht, einige Produkte sind inzwischen wieder für Sport- und Friedhofsflächen zugelassen. Viele geben sich ein Ökoimage. Dazu kennt wohl jeder aus eigener Erfahrung und Anschauung, dass in der Praxis oft nicht das Kleingedruckte gelesen oder ohne ausdrückliche Anweisung doch auf das Bewährte zurückgegriffen wird.

Daher ist das Thema, eben nicht erledigt. Leider auch nach 4 Jahrzehnten immer noch nicht. Dass Monsanto gerade in Kalifornien vor Gericht gescheitert ist und nun dort Roundup als krebserzeugend bezeichnet werden darf, ist sicher nicht dessen Ende. Da es immer wieder Schlupflöcher, Unachtsamkeit und Gewohnheiten gibt, wird es wohl auch noch länger nötig sein. immer wieder – auch durch wiederholte Erinnerungen und Anweisungen darauf aufmerksam zu machen, im Sinne der Natur, unserer Gesundheit und die unser Kinder und Enkelkinder. Dieses zumal selbstverständliche Ziel sollte der Kreistag mit diesem Beschluss bekräftigen.

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