(c) Esther Stosch/pixelio

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Schon weit im Postfaktischen

Sind wir schon so weit im Postfaktischen gelandet, dass nichts mehr hinterfragt, nichts mehr differenziert betrachtet werden darf?

Können denn selbst Journalisten nicht mehr trennen zwischen der Feststellung „effiziente gute Polizeiarbeit“ und der Nachfrage, ob die Festsetzung von Hunderten nach Hautfarbe denn unseren verfassungsmäßigen Grundwerten entspricht? Wieso fragt niemand nach, wie denn die Polizei vor der dann folgenden Feststellung der Personalien die „Intensivtäterschaft“ schon bekannt gewesen ist?

Stattdessen wird mit der Notwendigkeit der gefühlten Sicherheit, die mit der gefühlten Gefahr begründet, populistischen Positionen Vorschub geleitet. Damit wird erneut den rechtsextremen Tätern, die für weit über hundert brennende Flüchtlingsheime und weite über hundert Verletzte und selbst Tote verantwortlich nachträglich die Begründung geliefert.

Dass tagtäglich dutzende Gewalttaten verübt werden, zumeist zwischen Deutschen und zumeist im familiären oder unmittelbaren Umfeld, dabei durchschnittlich 3 Kinder pro Tag misshandelt werden, verschwindet aus der öffentlichen Wahrnehmung und wird angesichts dessen, dass eine andere Hautfarbe, eine andere Religion, eine andere Nationalität für manche schon genug Grund für Gefährlichkeit darstellt, unsere humanistischen und christlichen Grundwerte für diese Menschen außer Kraft zu setzen.

Die Medien nehmen ihre Aufgabe der Aufklärung über Fakten und Verhältnismäßigkeiten kaum noch wahr. Damit wird der Boden für die bereitet, die Verschärfung nach Verschärfung fordern. Persönlichkeits- und Freiheitsrechte, verfassungsrechtliche Werte werden für das Gefühl von Sicherheit aufgegeben. Es soll die Reisefreiheit eingeschränkt, jeder abgehört und –gefilmt werden. Und vor dem Gesetz sind alle Menschen sind gleich – aber manche gleicher.

So gut wie nichts ist von der Kölner Silvesternacht 2015 aufgeklärt, aber das öffentliche Urteil war und ist schnell gefällt, für populistische Politiker und Medien. Viele Meldungen, dass auch in anderen Städten und eben nicht nur irgendwie anders aussehende junge Männer übergriffig geworden sind, wurden schnell im öffentlichen Bild zurückgedrängt.

Blöd, wenn dabei auch bekannte Sportler, Schauspieler und Medienschaffende aufgrund ihres fremdes Aussehens sich in diesem simplem Netz verfangen. Dann ist die Aufregung groß, aber nur kurz. Ansonsten arbeiten gerne alle mit, die Vorurteile zu bestätigen.

Deutsche Männer durften bis vor kurzem über das „Nein“ von Frauen ohne Konsequenzen weghören. Jetzt, wo „nordafrikanisch aussehende Männer“ dies über viele Jahre an den „tollen Tagen“ erprobte Verhalten sich erdreisteten nachzuahmen, da wurde nun nach Jahrzehnte endlich das Recht an das von Diebstahl u.ä. angepasst.

Also noch mal zur Klarheit:

  • Eine Straftat ist eine Straftat, egal von wem sie verübt wird. Herkunft oder Aussehen sind nie der Grund für die Tat und sollten in einem Rechtsstaat auch keine Rolle spielen.
  • Es gibt weder bei Deutschen noch bei Nichtdeutschen nur gute Menschen.
  • Rassismus und Menschenverachtung spalten die Gesellschaft, egal ob Rechtsnationalismus oder Islamismus oder sonstige Dogmen als Rechtfertigung vorgebracht wird.
  • Der Schrei nach Verschärfungen bei Gesetzen ist nichts mehr als Populismus. Wenn all das umgesetzt würde, was gefordert wird, werden unsere Freiheits- und auch Menschen-rechte außer Kraft gesetzt, unsere Werte verraten

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