Deutschland profitiert von der Eurokrise

Es ist im deutschen Interesse, dass sich die Krise Südeuropas so lange hinzieht. Neben Griechenland sind in den letzten Jahren vor allem Italien, Spanien und Portugal von einem extremen Wirtschaftsrückgang betroffen. Um die 25% ist die Produktion in diesen Ländern eingebrochen und die Jugendarbeitslosigkeit teilweise auf 50% gestiegen. Gleichzeitig verzeichnen die Unternehmen in Deutschland steigende Gewinne, die Schulden sinken und Stückkosten, Industrieenergiekosten und Zinsen sind auf einem historischen Tief.

Immer mehr Geld aus ganz Europa landet hier. Vom verbilligten Euro haben vor allem deutsche Unternehmen profitiert, was auch der auf Rekordniveau von 11.000 Punkten gestiegene DAX dokumentiert. Und Deutschland hat bisher keinen einzigen Euro an Griechenland gezahlt, wie es hingegen so gerne dargestellt wird, als ob wir zahlen und hier das Geld fehlen würde. Stattdessen hat es von der Krise bis profitiert, bis Ende letzten Jahres 60 Milliarden Euro an Zinsen gespart und bürgt lediglich für insgesamt 54 Milliarden Euro an bilateralen Krediten von KfW und Euro-Rettungsschirms EFSF.

Ausgangspunkt sowohl für Deutschlands Profit wie für die Eurokrise ist, dass mit den Arbeitsmarktreformen zu Beginn des Jahrhunderts die Stückkosten hierzulande drastisch gesenkt wurden. Die Lohnkosten sind im Vergleich zu den übrigen europäischen Ländern niedrig und die Energiekosten aufgrund der Energiewende, da deren Finanzierung auf die privaten Nutzer und die kleinen und mittelständischen Unternehmen abgewälzt wurden.

Zuletzt sind auch noch die Finanzierungskosten gesunken. Die Zinsen sind auf einem historischen Tief. Für jeden Euro den Deutschland seit Jahren verliehen hat, bekommt es ein Vielfaches an den Zinsen zurück, die es selbst für die Refinanzierung zahlen muss. Für Kapital, das bei der Bundesbank geparkt wird, zahlen die Gäubiger oft gar noch Geld.  Investoren zahlen , um deutsche Anleihen zu halten dürfen. Der Effekt ist immens, Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel beziffert den Effekt bis 2030 für bereits ausgegebene Anleihen auf etwa 160 Milliarden Euro die an Zinsen eingespart werden.

Je länger die Krise dauert, desto mehr Geld landet daher in Deutschland, desto mehr steigt der Exportüberschuss, desto größer wird der Vorsprung bei der Wirtschaftsleistung. Doch umso mehr versinkt auch Südeuropa im wirtschaftlichen Chaos. Die Gesamtleistungsbilanz gegen über den südeuropäischen Volkswirtschaften seit Einführung des Euro beträgt mittlerweile eine halbe Billion Euro. Dieser Betrag an Wertschöpfung wurde vom Süden zu uns transferiert.

Gegen dieses Ungleichgewicht haben die nun völlig abhängigen Staatsregierungen nur zaghaft aufbegehrt. Doch die Bürger wehren sich. Denn der Sparzwang, die deutsche Austeritätspolitik für Resteuropa, vernichtet Existenzen. Er ist unsozial. Dies hat die deutsche Regierung zu Beginn der Finanzkrise auch für Deutschland erkannt und schuldenfinanzierte Rettungsprogramme für Banken und  Konjunkturprogramme aufgelegt. Für Südeuropa wird dies nun abgelehnt, das Sparen eingefordert.

Nicht einmal die Warnungen der anerkanntesten Wirtschaftswissenschaftler, wie die des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugmann vor der an eine deutsche Austeritätspolitik gebundene Geldpolitik der Europäischen Zentralbank werden gehört. Krugmann hält eine antizyklische Finanzpolitik in der Eurokrise für die richtige Reaktion und sieht die wirtschaftliche Depression von Griechenland und Irland aufgrund der ihnen auferlegte Sparpolitik als volle Bestätigung der Einsichten von Keynes an.

Die USA hatten nach dem Zweiten Weltkrieg dafür gesorgt, dass Deutschland ein Großteil seiner Schulden gestrichen wurden und mit dem Marshallplan eines der größten Konjunkturprogramme  aller Zeiten aufgelegt, das uns das „Deutsche Wirtschaftswunder“ bescherte. Es ist Zeit, dass sich Deutschland dafür revanchiert und nun selbst denjenigen hilft, auf deren Kosten es seit langem Profit macht.

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